Reit -Tour im Kluane Nationalpark mit Yukon Wild

Erlebnisbericht von Katja Hübner

 

Kluane Country – Wo die Bären den Pferden Vortritt lassen.

 

Das Lagerfeuer flackert fröhlich und verbreitet angenehme Wärme. Ich strecke meine Hände den Flammen entgegen und spüre wie die Steifheit der Nacht aus meinen Knochen kriecht. Auf dem Grillrost brutzeln Speck und Eier. Daneben verströmt der Kaffeepot seinen würzigen Duft.

Seit 3 Tagen sind wir unterwegs. Mit Reit- und Packpferden. Losgegangen ist es am weiten Dezadeash Lake, direkt neben der alten, verfallenen Lodge. Die Pferde wurden aus dem Trailer entlassen, gesattelt und pepackt. Dann stiegen wir selbst in den Sattel. Wir, das sind vier „Abenteurer" aus dem guten, alten Deutschland, Elisabeth, unser hiesiger Guide, der vor zehn Jahren in diesen abgelegenen Teil Kanadas, ausgewandert ist und Mabel, die Besitzerin der 30-köpfigen Herde vom nahe gelegenen Örtchen Haines Junction.

Seitdem wir aus dem Flugzeug gestiegen sind, umgibt uns eine wilde, naturbelassene Landschaft, an der wir uns nicht satt sehen können. Eine 7-tägige Kanutour auf dem Dezadeash River bildete den Auftakt zu unserem diesjährigen Abenteuer-Urlaub, gefolgt von einer Woche Wanderungen, die wir von einer gemütlichen Blockhütte am Kluane Nationalpark aus unternahmen. Wildnis, Lagerfeuer, Elche, all das hatte uns bereits grenzenlos fasziniert.

Doch seit wir mit den Pferden kurz nach dem Beginn des Reitparts den ersten Pass erklommen hatten, ist dem Staunen kein Einhalt mehr zu gebieten. Endlos dehnt sich ein grüner Waldteppich nach Süden, wo man am Horizont das silberblaue Glänzen des fernen Mush Lakes erkennt. Dahinter strecken sich die schon schneebedeckten Berggipfel des St. Elias Massives in den Himmel. Wir haben die beste Jahreszeit gewählt, das wissen wir nun bestimmt. Der Ende August beginnende Indianersommer bringt zwar kühle Nächte, aber die Herbstfarben hier oben sind einfach unbeschreiblich. Spätestens zur Mittagszeit wärmt uns die Sonne so auf, dass wir im Hemd reiten. Wenn wir Rast machen, lassen wir die Pferde das letzte Grün grasen und uns schmeckt das Lunchpaket, während wir erzählt bekommen, dass sich im Kluane Nationalpark die dichtestete Grizzly Polulation Kanadas aufhält. Wir haben schon Bären gesehen und meist waren es Grizzlies, aber oft erspähten wir sie etwas entfernt am Hang, wo sie vereinzelt entlang ziehen.

Gerade als der Frühstückshunger an seine Grenzen zu kommen scheint, reitet Mabel im Gefolge unsere restlichen Herde ins Camp. Einige führt sie am Lasso hinter sich. Der Rest folgt freiwillig. Da wir auf einer solchen Tour kein Heu mitnehmen können, werden die Pferde nachts frei laufen gelassen, damit sie sich selbst versorgen. Um zu verhindern, dass sie dabei zu weit abwandern, erhalten sie eine Art Lederfessel an die Vorderbeine, die ihnen nur kleine Schritte erlauben. Man wundert sich dennoch, welche Entfernungen sie damit zurücklegen.

Gut gesättigt bauen wir das Camp ab. Auf zweien der Packpferden ist alles bereits gut verzurrt und unsere Reitpferde stehen fertig gesattelt bereit. Nur noch „Kaiser", der Veteran der Packpferde, steht mit Decken auf seinem Rücken da und wartet geduldig auf seine Last. Mabel und Elisabeth sind zuständig für das Packen, welches einer komplizierten, traditionellen Handhabung folgt, die wir kaum nachvollziehen können. So helfen wir mit Pferd halten, hier mal ziehen und da mal anreichen. Gerade schleppen wir die beiden schweren Packkisten heran, Mabel ist im Begriff das Packkreuz aufzulegen, da .....man glaubt es kaum ...... trabt ein dunkles Zotteltier um die Wegbiegung direkt auf unser Camp zu: zuerst denke ich, ein Schwarzbär, doch die Farbe täuscht zu oft. Das hier ist ein ausgewachsener Grizzly, wie sein mächtiger Schulterbuckel deutlich beweist. Noch steht mir der Mund offen –wir sehen ihn alle weiter auf uns zu kommen – alle, bis auf „Kaiser" – doch dann erkennt auch er, was da ins Camp zu walzen droht. Mit einem gewaltigen Ruck reist er mir die Leine aus der Hand, steigt auf der Hinterhand hoch auf und schreit mehr als er wiehert. Ich habe noch die weit geblähten Nüstern sehen können, da tut es einen fürchterlichen Schlag! Er hat sich mit einer solchen Gewalt hochgerissen, dass er unkontrolliert sein Gleichgewicht verliert und geradewegs nach hinten umschlägt - auf seinem Rücken landet. So was habe ich noch nie gesehen. Nun steht mir der Mund erst recht offen. „Kaiser" rappelt sich auf, schüttelt sich und bleibt zitternd und schnaufend stehen. In Erwartung einer wilden Flucht bleibt jeder von uns wie vom Donner gerührt stehen, doch nichts passiert. Der Bär ist längst weg. Das war ihm zuviel. Wir warten bis „Kaiser" sich weitgehend beruhigt hat, dann wird er langsam fertig gepackt.

Nach zwei Stunden Regen sind wir alle froh, dass endlich die Sonne durch die Wolken bricht. Wir haben gestern den zweiten Pass, der uns erneut oberhalb der Baumgrenze brachte, überquert und sind ins Kathleen Lake Tal abgestiegen. Steil ging es über bucklige Wiesen und zwischen wuchtigen Felsbrocken hinunter zu den Cottonwood Meadows. Hier haben wir alle Model gestanden, jeder für sein Foto in einer riesigen Wiese aus Fireweed- Blüten, die den Pferden bis zum Bauch reichten. Wir sind durch mehrere Wildbäche geritten, die unsere Pferde alle souverän meisterten, haben lichte Pappelhaine in den prächtigsten Farben durchquert und düstere, stille Nadelwälder hinter uns gelassen. Kurz nach der Mittagsrast sehen wir eine Bärenfamilie: Mutterschwarzbär mit zwei Jungen. Sie hält sich in guter Entfernung weit oberhalb des Trails am teilweise zugewachsenen Hang auf. Wir können sie für eine Weile schön beobachten. Doch kaum ist der erste Teil unseres Trupps ungesehen unter ihnen vorbei geritten, richtet sich die Bärin plötzlich auf: kein Monstrum, doch groß genug, dass man nicht mit ihr ins Handgemenge geraten möchte. Nun erst bemerkt sie unsere Gegenwart. Mit drei-vier Sprüngen ist sie den Hang halb runter, lässt ihre Jungen im Sicherheitsabstand zurück. Krachend bricht sie durch das trockene Unterholz. Mein Puls beginnt zu rasen. Mehr vor Aufregung und Freude, aber auch aus gehörigem Respekt vor dem wilden Tier. Ich reite am Ende unseres „Strings", hinter mir nur noch Elisabeth. Wir sind ungefähr 100 Meter von dem Punkt entfernt, wo die Schwarzbärin auf den Trail treffen würde. Noch haben unsere Pferde von dem Manöver nichts mitbekommen. Ich drehe mich kurz um, sehe in Elisabeth Augen eine Mischung von „Oje!" und „Naja !" über dem zu einem Strich zusammengezogenem Mund. „O.K.", denke ich, dann eben "Naja!" Genau in dem Moment erkennt mein Pferd, was los ist. Mit einem ruckartigen Sprung zur Seite lässt sie mich fast den Steigbügel verlieren, und brecht dann in gestrecktem Galopp davon - den anderen hinterher. Mit Pferdekinn an Pferdebrust gezerrt, bringe ich sie erst kurz vor dem nächsten Pferdehintern zum Stehen. Sofort drehe ich sie um - und da kommt auch schon Elisabeth auf „Amigo" herangesprengt, der erst mitten in der Gruppe anhält. Nun sind wir alle zu einem Haufen zusammengedrückt. Nicht nur unseren beiden Flitzern geht der Atem schwer. Wir schauen zurück, aber die Bärenmama war gar nicht ganz runter gekommen. Zwischen den dünnen Pappelstämmen sehen wir sie im Gras sitzen, nur ihr dicker Kopf mit den runden Ohren ist zu erkennen. Scheinbar gelassen blickt sie uns hinterher.

Das Abenteuer nähert sich seinem Ende. Mir wird klar, dass wir in Kürze diesen malerischen Teil des Yukon verlassen werden. Vor uns liegt der Kathleen-Lake. Bei Sturm ist er nicht passierbar. Dann türmen sich die Wellen an dem an seinem Rande verlaufenden Trail zu sehr auf, als dass man eine Gruppe Pferde hindurchführen könnte. Seit Stunden beobachten wir den Wind, der mal weht, mal nicht weht. Wir haben beschlossen es zu wagen und sind nun mittendrin. Den Pferden reicht das Wasser nur halb die Beine hoch, doch wir manövrieren uns auf unebenem Untergrund durch ein Wirrwarr von Felsbrocken, die meist unter der Wasseroberfläche liegen. Ich bin begeistert von der Zuverlässigkeit und Trittsicherheit dieser Pferde. Im Grunde lassen wir ihnen freien Lauf, halten die Zügel ganz locker, sie suchen sich den besten Weg durch das Steinlabyrinth. Natürlich haben wir kein Glück. Es beginnt zu blasen. Der See kräuselt sich, dann entstehen Wellen, erst ganz kleine, dann tragen sie Schaumkronen. Die Brandung, wenn auch nur minimal, bricht sich rauschend am steinigen Ufer. Das Heranrollen der Wellen an ihren Beinen und das Spritzen an den Felsen, mögen die Pferde jedoch gar nicht. Zusehens nervöser versuchen sie schneller zu gehen, ein erschrockener Seitensprung bringt das Adrenalin des Reiters schlagartig in Wallung. Ich wünschte wir wären schon durch. Die Ohren von „Buttons" klappen ängstlich hin und her, dann schreckt sie vor einer Welle zurück und mit einem Sprung ist sie am Hang mitten in einem Gewirr von Steinen. Sie will nicht mehr ins Wasser. Nur mit absoluter Ruhe und Beharrlichkeit bringe ich sie wieder auf Kurs – in den See – den anderen hinterher.

Wir haben es geschafft! In freudiger Erwartung tänzeln die Pferde auf den wartenden Trailer zu. Sie wissen zuhause erwartet sie ein riesiger Berg süßes Heu und becherweise Hafer. In meiner Brust kämpft die Begeisterung über das bestandene Abenteuer mit der Trauer um die Heimkehr. Ich streiche bewegt über den schönen Hals meines Pferdes. Und verdammt – ich werde wiederkommen!

Wenn jemand noch unsicher ist, ob das die richtige Tour für ihn ist, könnt Ihr Euch gerne bei mir melden.

Katja Hübner:

Yukon-Grizzly@web.de

Tel.  0 59 21 / 7 95 01

 

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